Wie verhält man sich in Vietnam?
Inhaltsübersicht
Eine Reise nach Vietnam bedeutet, einem herzlichen, freundlichen und ausgesprochen respektvollen Volk zu begegnen. Damit Sie Ihren Aufenthalt in vollen Zügen genießen können, ist es jedoch wichtig, die vietnamesischen Umgangsformen zu verstehen, die von Rücksichtnahme, Bescheidenheit und Respekt gegenüber anderen geprägt sind. Vietnamesinnen und Vietnamesen legen großen Wert auf gutes Benehmen, Höflichkeit und harmonische zwischenmenschliche Beziehungen. Manche Gesten oder Verhaltensweisen, die für ausländische Besucher völlig selbstverständlich erscheinen, können vor Ort überraschen oder sogar als unhöflich empfunden werden. Wie sollte man sich also während einer Reise durch Vietnam verhalten?
Hier finden Sie einige einfache und wichtige Hinweise, damit Sie das Land mit Respekt vor seinen Traditionen entdecken und gemeinsam mit den Einheimischen die vietnamesische Lebensart kennenlernen können.
Wie sollte man sich in Vietnam kleiden?
Zu wissen, wie man sich in Vietnam angemessen kleidet, ist wichtig, um entspannt zu reisen und der lokalen Kultur Respekt entgegenzubringen. Die vietnamesischen Umgangsformen legen großen Wert auf Bescheidenheit, Sauberkeit und Zurückhaltung – Eigenschaften, die sich auch in der Kleidung widerspiegeln.
An öffentlichen Orten sollten zu kurze oder zu eng anliegende Kleidungsstücke vermieden werden. Mit freiem Oberkörper herumzulaufen oder als Frau schulterfreie Kleidung zu tragen, gilt häufig als unangemessen. Miniröcke und sehr kurze Shorts eignen sich eher für den Abend, jedoch nicht für kulturelle Besichtigungen oder Tempelbesuche.
Für unterwegs empfehlen sich leichte, bequeme und zugleich angemessene Kleidungsstücke: Leinenhosen, lange Röcke, kurzärmelige Hemden oder locker sitzende Tuniken. Knielange Bermudashorts werden in touristischen Gebieten im Allgemeinen akzeptiert.

Beim Besuch einer Pagode oder eines Tempels sollten Sie dezente Kleidung tragen und vor dem Betreten die Schuhe ausziehen. Diese einfache Geste ist ein Zeichen des Respekts gegenüber den spirituellen Traditionen des Landes.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass vietnamesische Gastgeber Sie zu Hause in einem Pyjama empfangen. Das ist keineswegs unhöflich, sondern vielmehr ein Zeichen von Vertrauen und Herzlichkeit. In Vietnam wird der „Pyjama“ häufig als traditionelle, bequeme und praktische Hauskleidung getragen – und nicht nur als Nachtwäsche.
Wie verhält man sich gegenüber Kindern in Vietnam?
In Deutschland sagt man „Gesundheit“, wenn jemand niest.
Wenn in Vietnam ein Kind niest, ruft man ihm dagegen manchmal scherzhaft zu: „Reis, Salz!“ Diese einfachen Worte stammen aus dem Volksglauben und stehen symbolisch für Glück, Gesundheit und Wohlstand: Reis verkörpert Überfluss, während Salz vor negativen Einflüssen schützen soll.
Verschluckt sich ein Kind an einer Fischgräte, gerät man nach alter Überlieferung nicht sofort in Panik. Einem traditionellen Glauben zufolge genügt es, das Tablett mit den Speisen unauffällig zu drehen oder mit einem Essstäbchen leicht gegen den Dreifuß des Herdes zu klopfen, um das Unglück abzuwenden.

Es gibt auch einige respektvolle Gesten, die man kennen sollte: Berühren Sie niemals den Kopf eines Kindes, da dieser als heiliger Körperteil gilt.
Ebenso ist es besser, ein Baby nicht überschwänglich zu loben oder einer jungen Mutter zur Schönheit ihres Kindes zu gratulieren. Nach traditionellem Glauben könnte dies die Eifersucht böser Geister auf sich ziehen.
Bei einem Säugling sagt ein einfaches Lächeln oft mehr als tausend Worte – ein Zeichen von Herzlichkeit, das zugleich die vietnamesischen Traditionen respektiert.
Wie verhält man sich gegenüber Vietnamesen?
Schon bei Ihrer Ankunft in Vietnam begegnet Ihnen häufig ein Lächeln – von einem Passanten, einem Straßenverkäufer oder einem neugierigen Kind. Hinter dieser einfachen Geste verbirgt sich eine ganze Lebensart, die von Freundlichkeit, Respekt und Harmonie geprägt ist. Um bei Vietnamesinnen und Vietnamesen einen guten Eindruck zu hinterlassen, braucht es oft nicht viel: einen freundlichen Blick, eine ruhige Haltung und ein aufrichtiges Lächeln.
Vietnamesinnen und Vietnamesen sind für ihre Bescheidenheit und ihr Gespür für Ausgewogenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen bekannt. Leise zu sprechen, hektische Gesten zu vermeiden und ruhig zu bleiben, gilt als Zeichen des Respekts. Sich in der Öffentlichkeit zu ärgern, wird häufig als mangelnde Selbstbeherrschung wahrgenommen, während eine gelassene und freundliche Person schnell Sympathie gewinnt.

Händedruck

Wenn man mit dem Essen fertig ist, legt man die Essstäbchen auf die Schale und sagt höflich: „Entschuldigen Sie bitte, ich bin satt.“ Damit lehnt man das Essen nicht ab, sondern drückt vielmehr seine Zufriedenheit und Dankbarkeit gegenüber der Gastgeberin aus.
Wenn Ihnen eine Speise gereicht wird, bedankt man sich üblicherweise mit „Danke“ und hält seine Schale leicht nach vorn. Es gilt als unhöflich, sich hastig mit den eigenen Essstäbchen direkt aus den gemeinsamen Schüsseln zu bedienen, da dies als respektlos oder ungeduldig wahrgenommen werden könnte. Vermeiden Sie außerdem, mit den Essstäbchen am Rand der Schale zu schaben oder dabei Geräusche zu machen, denn dies gilt als schlechte Tischmanier.
Wird Ihnen ein weiteres Glas Alkohol angeboten und möchten Sie nicht mehr trinken, lehnen Sie einfach mit einer leichten Handbewegung ab. Drehen Sie den Becher jedoch nicht um, da diese Geste als Zeichen eines Bruchs oder einer Meinungsverschiedenheit verstanden werden könnte.
Vietnamesische Mahlzeiten sind außerdem mit verschiedenen volkstümlichen Glaubensvorstellungen verbunden. Schülerinnen und Schüler essen beispielsweise möglichst keinen knusprig gebratenen Reis, weil sie befürchten, dadurch „schwerfällig im Denken“ zu werden. Auch Hühnerfüße werden gemieden, da man glaubt, die Hände könnten beim Schreiben zittern.
Vor einer Prüfung bereiten manche Eltern dagegen Klebreis mit Mungbohnen, xôi đỗ, zu. Das vietnamesische Wort đỗ bedeutet nämlich sowohl „Bohne“ als auch „eine Prüfung bestehen“. Vom Verzehr von Bananen vor einer Prüfung wird hingegen abgeraten: Sie werden sprachlich mit den Begriffen trơn und trượt, also „ausrutschen“ beziehungsweise „durchfallen“, in Verbindung gebracht.

Klebreis mit Mungobohnen (xôi đỗ)
In Vietnam werden alle Speisen gleichzeitig auf einem großen gemeinsamen Tablett serviert. Im Sommer steht meist eine Schüssel mit einer leichten Suppe in der Mitte, aus der sich die ganze Familie bedient. Gemüse und feste Bestandteile nimmt man mit einem Löffel heraus. Die Brühe sollte möglichst nicht laut geschlürft werden, da dies als unhöflich gilt.
Eine Reise nach Vietnam ist weit mehr als nur ein Tapetenwechsel. Sie bedeutet, einem freundlichen, aufmerksamen, respektvollen und zutiefst menschlichen Volk zu begegnen. Hier zählt jede kleine Geste: Ein Lächeln, eine gemeinsam getrunkene Tasse Tee oder ein freundliches Wort können aufrichtige Verbindungen schaffen. Wer sich mit den vietnamesischen Umgangsformen vertraut macht, taucht in eine Welt ein, in der Herzlichkeit und Harmonie den Alltag prägen. Vielleicht liegt das Geheimnis, sich in Vietnam wohlzufühlen, ganz einfach darin, dem Leben mit demselben Lächeln zu begegnen wie seine Bewohner.
Vietnam zu entdecken bedeutet weit mehr, als nur ein Land zu besuchen. Es bedeutet, Menschen zu begegnen, die offenherzig sind und großen Wert auf Freundlichkeit, Zurückhaltung und Respekt gegenüber anderen legen. Die vietnamesischen Umgangsformen sind von Traditionen und Feingefühl geprägt und spiegeln sich in jedem Lächeln, jeder geteilten Geste und jeder angebotenen Mahlzeit wider. Sich in Vietnam richtig zu verhalten bedeutet vor allem, eine einfache Lebensphilosophie zu verstehen: im Einklang mit anderen und mit sich selbst zu leben. Hinter Höflichkeit und Zurückhaltung verbirgt sich eine große menschliche Wärme – die Wärme eines Volkes, für das Respekt die schönste Form der Gastfreundschaft ist.
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